4. März 2021


Liebe Schwester, lieber Bruder, verbunden in Christus, in dieser Zeit,
anlässlich einer Beerdigung heute im Pfarrsitzort Sonneborn ist mir das Taubenlied des Geflügelzüchtervereins begegnet, mit dem ich – ehrlich gesagt – zunächst nicht so viel anzufangen wusste.
Doch dann ist mir ein Satz ins Ohr gefallen, den ich gut einzuordnen vermochte:
„Ach wie wird mir Angst und Wehe, wenn ich keine Tauben sehe…“

Die Taube ist im christlichen Glauben ein wichtiges Symbol.
An entscheidenden Wendepunkten in Gottes Geschichte hat sie eine tragende Rolle. Nach der Sintflut beispielsweise und besonders bei der Taufe Jesu.
Sie spielt dann eine tragende Rolle, wenn wir mit unseren eigenen Möglichkeiten an Grenzen geraten. Bei der Sintflut – da war die Taube Hoffnungsträger dafür, das neues Leben beginnt.
Bei der Taufe Jesu – an Weihnachten haben wir den Zustand der Welt besungen, in einem der beliebtesten Weihnachtslieder „O du fröhliche“ heißt es: „Welt ging verloren – Christ ward geboren. Freue Dich o Christenheit.“

Die Taube ist Symbol für den Heiligen Geist, der bei der Taufe Jesu bestätigt, dass die eigentlich sich erneut dem Untergang zugewendete, verlorene Welt, eine neue Verheißung auf Zukunft erhält. Und der Heilige Geist ist es auch, der dann an Pfingsten den Jüngern den Mund für alle Weltsprachen öffnet, um die gute Nachricht der erneuten Rettung der Welt weiterzutragen.

„Ach wie wird mir Angst und Wehe, wenn ich keine Tauben sehe…“

Für jeden Abschied im Leben möchte uns das Symbol der Taube ebenfalls tragen und das ganz besonders durch diese Tage der Weltzeit. Die Welt scheint gerade wieder verloren – wir werden es nachher bemerken, wenn wir nur mit 25 Menschen am Grab stehen dürfen und alle anderen nach Hause gehen müssen.

Aber es ist für alles Betrauernswerte und für jede Leere, die wir spüren, die Taube, die die Richtung vorgibt. Hier haben wir Tauben im Hof, auf dem Kirchturm, bei uns wohnen sie um den Balkon und im Garten des Pfarrhauses – wunderschöne Tauben. Die Taube bleibt das Symbol dafür, dass Gott unsere Leere wieder neu füllen möchte, mit seinem Geist, der Tröster ist und Leben in Fülle schenken möchte. Und die Taube ist das Zeichen des Friedens, ein Frieden, der all das, was in unserem Leben fehlt oder in all das, was durcheinander geraten ist, die Ruhe und Zuversicht schenkt, die wir so dringend brauchen.

Und zuletzt steht die Taube für den Glauben, der uns gegen allen Augenschein und alles wissen in Erinnerung ruft, was uns durch viele Zeugen immer wieder zugesagt wird:

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Joh 5,4)

Mit diesem Vers wünsche ich uns allen, dass wir Trost finden über all das Verlorene in unserem Leben und ich wünsche uns, dass wir neuen Frieden und eine neue Welt entdecken, wie nach der Sintflut und nach dem Tod Jesu, als plötzlich klar war: Ich lebe und ihr sollt auch leben, in Ewigkeit.

Amen.

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