Predigt zum 20. Juni 2021

Ein Idealbild von Gemeinde? Von Kirche?

Eine Herde, die sich selber weiden kann… weil sie weiß, was ihr gut tut – Glaube, Hoffnung, Liebe – wie die ersten Christen, von denen es heißt, dass sie alles miteinander geteilt hätten und regelmäßig waren tausende davon überzeugt, dass sie zusammenhalten wollen.

Nur einzelne haben am ersten Pfingstfest – dem Geburtstag der Kirche – gesagt, dass die Masse spinnt und nicht ganz nüchtern sei.

Und wenn jemand vom Glauben abfällt, dann sind das nur einzelne – und nur dann muss Jesus tätig werden.

Ansonsten weidet er die Herde und beschützt sie vor Angriffen von außen.

So habe ich das Bild bisher ausgelegt bekommen und auch selbst gepredigt.

Aber da steht eigentlich etwas anderes.

Die Herde ist in der Wüste…

Was sollen die Schafe da? Sind sie da nicht falsch?

Und am Ende heißt es, dass die 99 Gerechten der Buße nicht bedürften und sich Gott über ein Schafe, das umkehrt, mehr freut als über die 99.

Sind sie gerecht, weil sie richtig liegen?

Oder sind die 99 gerecht im Sinne von selbstgerecht und deshalb in der Wüste, also dort, wo nichts zu finden ist, außer Wüste und Leere?

Durch die Jahrtausende hat sich immer wieder eines gezeigt:

Die 99 – die Masse – ist oft falschen Idealen hinterhergelaufen.

Nicht die „verlorenen“ Schafe waren falsch, sondern die Herde hat sich – wie Lemminge – massenweise in Abgründe des Lebens und der Geschichte gestürzt – z.B. zu Luthers Zeiten oder jüngst in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts – ein ganzes Land verliert sich in der Masse – manipuliert von Lebensfeindlichkeit.

Oftmals gehen einzelne verloren – schwimmen gegen den Strom – versuchen ihrer Überzeugung zu folgen anstatt massenhaft in den Abgrund zu rennen – zu jeder Zeit.

Eigentlich ist das die bessere Erklärung, heute, für dieses Bild.

Erst wenn jemand merkt, dass er in der Masse verloren geht, weil da etwas nicht stimmt, weil das sein Leben ruiniert, dann ist er offen für Jesus.

Und Jesus hat das immer wieder gelebt.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten jeder Zeit murren und sprechen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er hat sich den Einzelnen zugewendet, denjenigen, die der Masse kritisch gegenüber standen und deswegen ausgeschlossen wurden oder aus gesundheitlichen Gründen ausgeschlossen waren – woher auch immer das gekommen sein mag.

Und auch in unserer jüngsten Krise hat irgendwann niemanden in der Masse mehr interessiert, wie es dem Einzelnen dabei geht – spätestens beim zweiten Hinsehen waren alle wieder mit sich selbst beschäftigt.

Was macht Jesus dabei?

Er lässt die anderen allein – vielleicht weil sie ohnehin nicht zu retten sind – er sucht das Verlorene.

Wenn wir uns verloren fühlen, dann sind wir offen für Alternativen.

Dann ist Jesus an unserer Seite.

Und dann bist Du kein schwarzes Schaf, kein Verlorenes, sondern dann hast Du Glück – dann darfst Du Dinge anders machen als die anderen.

Du bist nicht anders, sondern die anderen sind alle gleich.

Wenn Du Dich wunderst, dass Du hier so alleine bist im Gottesdienst – dann freu Dich.

Es ist eindeutig eine andere Perspektive.

Die Masse geht in die Irre, wie die Lemminge.

Du aber bist richtig, denn Dir ist Jesus auf den Versen.

Herzlich willkommen zur besten Entscheidung Deines Lebens!

Und wenn Du zurückkommst zur Herde, dann kannst Du dich umsehen, voller Selbstbewusstsein und vielleicht fragst Du mal, was die anderen machen und wie es ihnen dabei geht?

Wo sind die Menschen in Deinem Leben, die Dir verloren gegangen sind?

Gehst Du sie suchen?

Wann fängst Du damit an?

Lasst uns alles abtun, was uns beschämt oder Angst davor macht, verlacht zu werden.

Du darfst losgehen in dem Bewusstsein, dass wir richtig sind, mit und bei Gott, beim barmherzigen Vater, der ein Fest feiert, wenn der Sohn zurückkommt und beim Hirten, der dem nachgeht, das sich verloren fühlt, weil die Welt sich nicht mehr als richtig für ihn erweist. Und wie vielen Gemeindegliedern geht das mit ihrer Kirche und Gemeinde gerade genauso?

Du bist wertvoll, weil Du den Unterschied gespürt hast.

Und jetzt darfst Du es machen wie Jesus.

Er selbst ist ja besonders greifbar – Mensch und Gott in Dir, weil Du den Auftrag hast, sein Zeuge zu sein, nicht mehr und nicht weniger. Zeuge durch Menschlichkeit.

Und er überlässt die Masse/die Herde ihrem Schicksal und geht zu den Verlorenen, weil die werden ihn hören, weil in ihnen etwas laut geworden ist, was sie zurückruft.

Du bist richtig und wertvoll und alle anderen, die sich nicht wertvoll fühlen, nicht mehr dazu passen, die sind es auch.

Lasst Euch nicht von der Masse verlachen, sondern lebt überzeugend den Unterschied, weil Du – anders als die anderen – selbst wenn Du Dich einsam fühlst, niemals allein bist. Jesus ist Dir auf den Versen und er trägt Dich zurück, um Deinen Auftrag für ihn zum Durchbruch zu verhelfen.  

Sei weniger Masse, sei Klasse.

Amen.

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