Sonntag, 21. Februar 2021 – INVOCAVIT

„Und es war Nacht.“ – Joh 13,30

Wochenspruch:

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“
1. Joh 3,8

Liebe Schwester, lieber Bruder, verbunden in Christus, in dieser Zeit,

um die Werke des Teufels zu zerstören, mussten beide noch einmal Raum bekommen, so hören wir es im heutigen Predigttext.

Der Lieblingsjünger und der Verräter sitzen im Predigttext heute noch einmal gemeinsam am Tisch. Und am Ende dieser Begegnung heißt es schlicht. Und es war Nacht. Dieses Gefühl begleitet uns irgendwie schon länger und es wird noch eine Weile bleiben, aber wir sind nicht allein, Jesus ist den Weg ebenfalls gegangen und er hat die Lösung gebracht.

  • Evangelium Mt 4, 1-11

Jesu Versuchung

(Mk 1,12-13; Lk 4,1-13)

41Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

5Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Ps 91,11-12): »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

8Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.

Glaubensbekenntnis

  • Ansprache Joh 13,21–30

Gnade sie mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Jesus, der Lieblingsjünger und der Verräter

(Mt 26,21-25; Mk 14,18-21; Lk 22,21-23)

21Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. 24Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? 26Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! 28Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. 29Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Ich bete in der Stille:

Herr, Jesus Christus, schenke Du uns hier und heute und jeden Tag ein Wort für unser Herz und ein Herz für Dein Wort.  Amen.

Liebe Gemeinde,

sicher war es am Abend des letzten Abendmahles auch draußen finster geworden.

Die Nacht von der Johannes hier berichtet ist Nacht im doppelten Sinne. Draußen und in Herzen und Gedanken.

Hier geht es um Verrat und die Jünger scheinen zu wissen, was es bedeutet. Gleich zu Beginn des Textes wird ihnen Angst und Bang, als Jesus ankündigt, dass es einen von ihnen treffen wird.

Drei Dinge beeindrucken mich besonders.

Jesus – vom dem wir auch hören, wie er im Garten Gethsemane noch darum bittet, dass der Kelch – also der Tod – an ihm vorübergehen möge, handelt hier souverän. Am Tisch ist er Herr der Lage, wohlwissend, was da auf ihn zukommt und womit er konfrontiert wird.

Zugleich bleibt es aber auch dem Verräter nicht erspart, dieses Los zu tragen. Für Judas endet die Aufgabe tödlich. Er kann am Ende nicht damit leben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und dann bleibt es aber auch geheim vor den anderen, wen es trifft- bis wenige Stunden später offenbar wird, wer die Last zu tragen hat.

Und es war Nacht.

Wir kennen die Nacht inzwischen noch einmal in einer ganz anderen Dimension, mit Ausgangssperre, Unsicherheit, Angst, Verboten, Strafen, aber eben auch einem Stern, wie vor über 2000 Jahren.

Die Dunkelheit wird in diesem Text unmittelbar mit dem Satan in Verbindung gebracht und das leuchtet mir ein.

Wenn Menschen gefangen sind von der Leere, die wir manchmal im Leben fühlen können, weil wir nach Leben suchen, wo keines zu haben ist, dann verändert sich die eigene Perspektive auf alle Dinge. Plötzlich wittern Menschen überall Schlechtes, Böses, Verschwörungen gegen sich selbst und gegen jede optimistische Fassung von Wahrheit. Der Lockdown hat das durch die unendlichen Nebenwirkungen massiv zutage gebracht, zusätzlich zu den vielen Dingen, die sonst oder ohnehin unser Leben verfinstern können. Auch Erschöpfung kann dazu gehören oder Einsamkeit. Psychologen kennen das unter dem Begriff Depression – eine Niederdrückung.

Jesu Weg führt tief hinein in eine solche Depression, für alle Beteiligten, weil sein Tod zunächst bedeutet, dass scheinbar alles was den Menschen Hoffnung gab, verloren schien, niedergedrückt, erstickt wurde.

Jesu Tod bringt am Karfreitag eine Weltennacht, eine Depression, mit sich, am Himmel und in den Herzen und Seelen der Jünger.

Wenn der Herr nicht bei uns bleibt, dann wird es wirklich dunkel. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum gerade heute so viel dunkel in unseren Herzen und Seelen herrscht. Gottverlassenheit auf allen Ebenen.

Die einzige Macht, die uns retten kann, ist Gottes Liebe zu dieser Welt, die die Nacht am Ostermorgen wieder wendet. Damit schlägt Jesus die Angst, die Versuchung, aufzugeben und sich der Angst geschlagen zu geben, in die Flucht.
Durch Gottes Handeln an ihm wird er wieder aufgerichtet und wir mit ihm, wenn wir ihm und an ihn glauben, ihm vertrauen.

Deshalb dürfen wir nicht aufgeben, an das Gute zu glauben, an den Herrn, der alles wenden kann, auch die größte Angst und Bedrückung.

Judas scheitert am Ende und stirbt. Er wird überwältigt, auch weil ihm niemand seine Schuld, sein Last, seine Bedrückung abnehmen will. Ihn hätten die Menschen auch danach noch lieben können, wieder aufrichten und zugestehen, was Jesus allen zugestanden hat, damals: die Vergebung.

Doch dafür braucht es mehr als Angst und Zweifel – dafür braucht es lebendige Hoffnung gegen den Augenschein und Vertrauen in Gottes Liebe für die ganze Welt und die Umkehr von allem Dunkel und aller Bedrückung – Evangelium – frohe Botschaft.

Es gibt ein Lied, das für mich wie eine Anleitung durch diese Zeit ist. Es heißt: Liebe Deinen Feind.

Lasst uns die Liebe zum Leben und zur Welt nicht aufgeben – gegen alle dunklen Gedanken und den Schleier der Angst in der Nacht.

Das Leben will gewinnen, sich wieder aufrichten, wie die Natur im Frühling.
Der Tod wird besiegt, wieder. Die Nacht wird enden.
Ich glaube fest daran.

Und deshalb werde ich nicht fasten, mich nicht zurückhalten, sondern Liebe und Umkehr predigen und leben und Wege finden, immer wieder neu, auch für unsere Gemeinschaft als Gemeinde.

Amen.

Und der Friede Gottes, bewahre unsere Herzen, Sinne und unsere Seele vor der Angst in seiner Liebe und im Zeugnis für ihn, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

https://www.evangeliums.net/lieder/lied_liebe_deinen_feind_lasst_uns_von_jesus_lernen.html

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns in der Versuchung,
und erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.

Amen.


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