Sonntag, 28. Februar 2021

Und irgendwie ist jeder Sonntag in diesen Monaten eine Erinnerung an die Verheißung des Auferstandenen: „Siehe ich lebe – und ihr sollt auch leben!“ (Joh 14, 19)

Liebe Schwester, lieber Bruder, verbunden in Christus, in dieser Zeit,
so fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Eine Wort für alle, die Gott bei sich wohnen lassen.

Im Gottesdienst am zweiten Sonntag der Passionszeit hören wir aber auch klare Worte dazu, was geschieht, wenn wir den Reichtum, den Vorschuss an Gnade, Güte, Liebe, Fülle und Freiheit, den Gott für uns vorbereitet hat, nicht zu nutzen wissen, beim Propheten Jesaja, im 5. Kapitel:

Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg

51Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.

3Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

5Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

7Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Liebe Gemeinde,

das Lied vom unfruchtbaren Weinberg ist im heutigen Predigttext zwar unmittelbar mit dem Haus Israel in Verbindung gesetzt, aber das könnten wir heute wohl auch auf alle Menschen, vielleicht sogar ganz besonders für unser Land anstimmen, das 2019 als stärkste Volkswirtschaft der EU in die Pandemie gestartet ist.

Wir hören von einem Weinberg, beste Lage, edle Reben, beste Ausstattung – perfekte Grundlagen in Hülle und Fülle, sowohl um gute Frucht zu bringen, aber eben auch, um sich auszuruhen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Vielleicht sind es gerade die guten Rahmenbedingungen, die uns dazu verleiten, das Wesentliche zu übersehen und sich von den Nebensächlichkeiten und der guten Ausstattung blenden oder berauschen zu lassen.

Vielleicht geht gerade dadurch die Klarheit verloren, um gute Entscheidungen zu treffen, das, was Sinn bringt und das, was unsere Bestimmung war. Ein edler Weinberg hat die Möglichkeiten als auch die Bestimmung, guten Wein zu bringen, nicht schlechten.

Wenn das trotz bester Bedingungen nicht gelingt, hat er seine Bestimmung wohl verfehlt und dann stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung.

Allerdings kommt es so hart gar nicht.

Der Weinbergbesitzer löst lediglich die guten Bedingungen auf.

Wenn dann noch etwas nach seiner Bestimmung wachsen soll, dann ist jetzt allen Betroffenen klar, dass das viel Arbeit werden wird.

Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen und anpacken – die Versäumnisse wett zu machen, kostet ein vielfaches an Energie im Vergleich zum Aufwand unter besten Umständen.

Und doch haben – aus meiner Erfahrung – Totgeglaubte, lebendig Begrabene oft viel mehr Potential als diejenigen, die immer in Saft und Kraft stehen – völlig egal, an welches Schöpfungswunder dabei gedacht wird.

Die Erfahrung/Konfrontation mit der Möglichkeit des Scheiterns weckt in allem Lebendigen den Überlebenskampf viel mehr als ein Leben in Hülle und Fülle, beim umgehauenen Baum ebenso, wie bei einem Leben, das in die Irre gegangen ist, seine Bestimmung verfehlt hat, obwohl die Bedingungen dafür bestmöglich waren. Ein wunderbares Beispiel ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Unter besonders ungünstigen Umständen wird die Not so groß, dass die Sehnsucht nach Erlösung noch größer wird.

Und wenn die Not so groß ist, dass allen einleuchtet, dass man sich selbst nicht mehr helfen kann, dann wächst auch die Bereitschaft, sich helfen zu lassen und die Sehnsucht nach dem, was wirklich zählt.

Und da kommt Gott ins Spiel.

Er bringt Licht ins Dunkel und damit wird das Dunkel erhellt.

Davon spricht das Evangelium.

Das Licht heißt Jesus und das Dunkel Sünde und Leere/Nichts.

Alle, die sich dem Licht stellen, haben die Möglichkeit, das Dunkel zu überwinden. Dazu braucht es nur den Mut zur Wahrheit.

Aber immer wieder erleben Menschen, dass es schmerzhaft ist, sich seinem Dunkel, seinen dunklen Seiten zu stellen und daher laufen sie dem Licht davon.

Gott möchte durch Jesus unser Dunkel beleuchten und damit erreichen, dass wir nicht im Dunkel verloren gehen, sondern das ewige Leben haben, ein Leben im Licht, zu Lebzeiten und darüber hinaus.

Gott regiert über die gesamte Schöpfung und er möchte auch in Deinem Herzen und Deiner Seele regieren, damit all Dein Dunkel beleuchtet wird und Dir der Mut zur Umkehr gelingt.

Und wenn wir das erkennen, einzeln und als Land des Wohlstands und unserer Bestimmung folgen – nämlich unsere Möglichkeiten nutzen, nicht um noch mehr zusammenzusammeln für unseren eigenen Nutzen, sondern von dem Überfluss abgeben, dorthin, wo es ganz anders aussieht und zugeht als bei uns.

Doch dieser Schritt des Loslassens gelingt nur, wenn in uns ein anderer Geist regiert als der des Vergleichens, des Neides und der Hochmut, dass es Menschen gibt, denen mehr zusteht und Menschen, denen weniger zusteht. Wir sind nicht mehr und nicht weniger als Menschen und in diesen Tagen letztlich alle gleich verletzlich, aber eben auch gleichermaßen alle in der Lage, umzukehren, Gott regieren zu lassen.

Darum singe ich: Herr, regier in mir.
Amen.

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