Sonntag, 4. Juli 2021


Liebe Gemeinde,

Wir haben schon lange keine großen Niederlagen mehr erlebt, in unserem Land. Wir haben uns einem Leistungsgedanken verschrieben, der es uns ermöglicht hat, aus allen Krisen der letzten Jahrzehnte das scheinbar Bestmögliche zu machen, zumindest aus menschlicher Perspektive. Nun zwingt uns die Pandemie doch noch in die Knie. Nur die Sonne – so sagen manche Wissenschaftler – rettet uns gerade noch. Sie bringt Corona zu Fall, zumindest teilweise.
Das ist für mich ein Bild. Was das bedeutet erkläre ich später noch genauer.

Und trotz Pandemie kämpfen wir immer noch mit harten und veralteten Bandagen dagegen, dass sich da gerade etwas Neues die Bahn bricht. Doch es gibt kein Entrinnen, zumindest nicht, wenn wir Paulus Glauben schenken dürfen und vielen anderen, die der Welt etwas Nachhaltiges zu sagen hatten.

Sogar im Fußball haben wir dieses Mal versagt.

Der Leistungsgedanke entspringt einem uralten Schuld- und Verpflichtungsgefühl, das sich von Generation zu Generation vererbt hat, seit dem 2. Weltkrieg.

Ein Mann hat es im Namen eines ganzen Landes mit den Völkern aller Nationen aufgenommen und unendlich großes Leid über die Welt gebracht und ein unglaublich großes Schuldgefühl über unser Land. Zu diesem Gefühl gibt es ein ganzes Buch – Kriegsenkel.

Und jetzt geht uns die Puste aus, angesichts der Dimension von Themen, die dieses alte Gefühl nach sich zieht. Es allen Recht machen zu müssen, um ein Lebensrecht zu haben – das ist unmenschlich.

Und wenn ich jetzt anfange, dann landen wir am Ende in allen Problemzonen von Politik, Gesellschaft und Kirche im Zeitalter der Pandemie und auch in unseren ganz persönlichen Niederlagen.  

Und die kennen Sie zur Genüge. Das erspar ich uns.

Überall ist es Menschen zu viel – vielleicht lassen sie sich deshalb auch gerne einmal einsperren – das reduziert wenigstens die Kontakte, durch die wir genötigt sind, zu vergleichen, wer gerade schlechter oder besser dran ist.

Ein wichtiges Thema bei jedem Seniorenkreis – wem geht es am heftigsten.
Wer schluckt mehr Tabletten.

Oder in der Schule – seit es Noten gibt: „Und was hast Du? Wie viele Punkte?“

Unterschiede werden in einer Leistungsgesellschaft nicht mehr berücksichtigt und gewürdigt schon gleich gar nicht. 

Wir waren und bleiben am Ende unserer Kräfte, auch ohne Pandemie.

Es gilt ein neu Geständnis, in dieser unser Zeit. Und das gab es immer wieder.

Paulus liefert die Lösung, im heutigen Predigttext:

Das Wort vom Kreuz.

Es ist die Einsicht, dass wir im Leben niemals gewinnen können, wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen.

Wenn wir das gewinnen wollen, worauf es im Leben wirklich ankommt, dann brauchen wir Gottes Kraft. Er weiß, warum wir da sind, so ganz unterschiedlich. So unterschiedlich wir sind, so unterschiedlich sind die Dinge, die uns glücklich machen und lebendig – und erfülltes Leben möglich machen.

Die Weisheit, zwischen richtig und falsch bzw. gut und böse zu unterscheiden ist die Ursünde – seit Adam und Eva.

Wohin uns das gebracht hat, erleben wir gerade.

Ein Wissenschaftler wiederspricht dem anderen mehr als der zuvor.

Es herrscht Chaos.

Niemand weiß mehr, was weise ist. Und was wahr ist schon gleich noch weniger.

Und die Zeichen sind es auch nicht. Jesus Sollte vom Kreuz heruntersteigen, um zu beweisen, dass er wahrlich der Sohn Gottes ist, der Messias. Solch eine Gewaltdemonstration hat Gott nicht nötig.

Die Predigt vom Kreuz – vom Scheitern dürfen – ohne die Liebe im Leben zu verlieren – das ist die Antwort und diese Antwort hat Menschen selig gemacht. Ich erlebe es jeden Tag aufs Neue.

Die Kraft der Liebe ohne Leistung, ohne Bedingung, das ist Gottes Entlastung und Schwachheit in der Welt – weil er damit die Kontrolle verliert. Er zwingt sich niemandem auf. Es gibt ja keine Bedingung.

Deshalb ist diese Botschaft so entlastend und befreiend.

Und gleichzeitig ist es der einzige Weg, wenn Du die Bedingungen für ein befreites, sonnvolles Leben ohne Bedingungen führen willst.

Und weil wir das nicht verstehen und auch nicht erfüllen können, außer wir lassen es uns schenken – völlig umsonst, deshalb steckt in dieser Botschaft, die scheinbar so schwach ist, die gesamte Stärke Gottes, die größer ist, als alles Menschenmögliche.

Die Sonne, die das Virus zum Einsturz bringt ist Sinnbild für Gott, seit dem Auferstehungsmorgen, als die Sonne aufgeht und der Engel Maria von der guten Nachricht berichtet – er lebt. Er hat gesiegt, ganz ohne Machtdemonstration und doch durch das einzige Geschenk, das bis auf den heutigen niemand – auch die Wissenschaft nicht – zu schenken vermag: der Sieg des Lebens über den Tod.

Gott bietet uns jeden Morgen an, uns auf das Licht der Welt, die Lebenssonne allein zu verlassen.

Und dadurch wird Übermenschliches möglich durch Menschlichkeit statt Leistungsdruck.

Und weil wir es eben durch nichts erreichen können, durch keinerlei eigene Leistung und kein Verpflichtungsgefühl der Welt – durch rein gar nichts als durch Empfangen und Schenken lassen, ist es das Stärkste, was es gibt auf der ganzen Welt. Und wenn wir nach draußen gehen, die schönen Seiten der Sonne sehen und fühlen, dann spüren wir das – mit allen unseren Sinnen:

wenn die Sonne scheint, ändert sich unsere Stimmung. Die Wärme auf der Haut, besonders nach diesem knackig kalten Winter, können wir deutlich spüren. Und selbst das, was unsichtbar, durch Vitamin D- Produktion an Gesundheit in unserem Körper geschieht, bewirkt mehr als alles, was wir uns erarbeiten können. Unsichtbar und unverfügbar.

Lass Dich beschenken mit Gottes Kraft, mit allem, was Du bist, durch und durch und das jeden  Tag aufs Neue. Und die Sonne ist so stark, sie ist auch da, wenn sich Wolken zwischen uns und sie schieben – das haben wir der Wissenschaft in jedem Fall zu verdanken.

In diesem Bewusstsein dürfen wir leben, in allen Bereichen unseres Lebens und wir dürfen aufbrechen, losgehen und andere mitreißen, begeistern.  
Amen.


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